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Gemeinsamer Brief zur medizinischen Versorgung in Wittstock/Dosse
Wittstock/Dosse, den 18.09.2026
Bei der Sitzung des Kreistages Ostprignitz-Ruppin am Donnerstag, 17. September 2026, wurde fraktionsübergreifend und mehrheitlich für die Unterzeichnung und Entsendung eines gemeinsamen Schreibens zur Klärung der medizinischen Versorgung in Wittstock/Dosse gestimmt. Dieses Schreiben richtet sich an die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) und beschreibt zum einen die aktuelle Situation im Hinblick auf die Entwicklung des Gesundheitsstandortes Wittstock/Dosse und unterstreicht andererseits die Forderung des Kreistages OPR zur Schaffung der dafür notwendigen Voraussetzungen.
Unterschrieben haben den Appell die Vorsitzende des Kreistages, Sigrid Nau, Landrat Ralf Reinhardt, Wittstocks Bürgermeister, Dr. Philipp Wacker, und Birgit Ilgner als Vertreterin des Vereins „Wittstock zeigt Gesicht“.
Das Schreiben des Kreistages im Wortlaut:
Betreff: Klärung der medizinischen Versorgung in Wittstock/Dosse und der Region Ostprignitz-Ruppin – Fraktionsübergreifende Forderung des Landkreises und der Initiative „Wittstock zeigt Gesicht“
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit über einem Jahr arbeiten die Stadt Wittstock/Dosse, der Landkreis Ostprignitz-Ruppin, das Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg (ukrb) und weitere Partner mit höchstem Einsatz daran, die medizinische Versorgung in Wittstock/Dosse und der gesamten Region nach der Schließung des Krankenhauses zum Jahresende zu sichern. Doch während alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, verweigert sich die Kassenärztliche Vereinigung Berlin Brandenburg (KVBB) bis heute konstruktiv an einer tragbaren Lösung zu arbeiten und verkennt die besonderen Herausforderungen des ländlichen Raumes.
Die Schließung des Krankenhauses in Wittstock/Dosse erfolgt unwiderruflich am 31. Dezember 2026. Aber die geplante Interimslösung und das neue Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sind bis heute nicht gesichert. Dabei war die KVBB von Beginn an am Runden Tisch beteiligt und kannte alle Planungen und Problemstellungen. Wie kann es sein, dass nach einem Jahr intensiver Arbeit die entscheidenden Weichenstellungen und Voraussetzungen für die Versorgung immer noch ausstehen? Die Argumentation der KVBB, es gebe eine „Überversorgung“ im ländlichen Raum, ist realitätsfremd und unverantwortlich. Wittstock/Dosse ist mit einer Fläche von 420 Quadratkilometern die flächenmäßig größte Stadt Brandenburgs und gehört zu den sechs größten Städten der Bundesrepublik – eine ausreichende gesundheitliche Versorgung kann nicht allein an abstrakten Einwohnerzahlen gemessen werden. Längere Transportwege, demografische Herausforderungen und die Besonderheiten der Flächendeckung im ländlichen Raum erfordern besondere Lösungen, aber keine Ausreden.
Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat sich bereits mehrfach mit konkreten Vorschlägen an Sie gewandt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Der Landkreis ist bereit, alle notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen – von der Bereitstellung von Räumlichkeiten über attraktive Mietkonditionen bis hin zur Unterstützung bei Genehmigungsverfahren und der Gewinnung medizinischer Leistungserbringer sowie einer Kooperation mit dem kreiseigenen Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg (ukrb).
Doch ohne verbindliche Zusagen der KVBB können die Interimslösung und das MVZ für Wittstock/Dosse nicht rechtzeitig umgesetzt werden. Ab dem 1. Januar 2027 steht die Region vor einer Versorgungslücke – mit möglichen lebensbedrohlichen Folgen für Notfallpatienten, insbesondere bei zeitkritischen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die geplanten Maßnahmen des Landkreises, wie die Verstärkung der Rettungsmittel durch einen dritten Rettungswagen ab Oktober 2026, können die medizinische Versorgungslücke nicht schließen. Die Hilfsfrist des Rettungsdienstes mag eingehalten werden, doch die Transportzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus verlängert sich – und das kann im Notfall über Leben und Tod entscheiden. Wir bitten die KVBB daher, in Anlehnung an die in Cottbus aufzubauende Eigeneinrichtungs-Lösung zu prüfen, ob für Wittstock/Dosse ebenfalls ein ähnlicher Weg beschritten werden kann oder eine Verbindung mit dem ukrb Vorhaben möglich ist.
Wir fordern die KVBB daher ultimativ auf:
Die gesetzliche Verantwortung zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung endlich wahrzunehmen,
Unverzüglich und verbindlich die fehlenden kassenärztlichen Voraussetzungen für die Interimslösung und das MVZ in Wittstock/Dosse zu klären. Dazu gehören die Freigabe der notwendigen Zulassungen, die Anerkennung der Sonderbedarfe des ländlichen Raumes und die Klärung der Finanzierung – auch vor dem Hintergrund des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes,
Bis zum 30. September 2026 eine schriftliche Zusage für die Umsetzung der Versorgung in Wittstock/Dosse und Umgebung vorzulegen. Sollte diese Frist verstrichen sein, ohne dass verbindliche Lösungen vorliegen, werden wir uns gezwungen sehen, alle rechtlichen und öffentlichkeitswirksamen Mittel auszuschöpfen, um die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger zu sichern.
An die AOK Nordost und das Gesundheitsministerium richten wir die dringende Bitte, auf die KVBB dahingehend einzuwirken und die notwendigen finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Menschen in Wittstock/Dosse und der Region verdienen Verlässlichkeit und konkrete Perspektiven, jedoch keine weiteren Verzögerungen und leeren Versprechungen.
An die KVBB richten wir die klare Botschaft: Sie tragen eine Mitverantwortung für die Gesundheit der Menschen in unserer Region. Blockieren Sie nicht länger die längst fälligen Lösungen, die auf dem Tisch liegen. Handeln Sie jetzt – bevor es zu spät ist.
In der Erwartung einer umgehenden Reaktion verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Vorsitzende des Kreistages Sigrid Nau (Kreistag Ostprignitz-Ruppin)
Landrat Ralf Reinhardt (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)
Bürgermeister Dr. Philipp Wacker (Stadt Wittstock/Dosse)
„Wittstock zeigt Gesicht“ e. V.
Birgit Ilgner (im Namen des Vorstands)
Bild zur Meldung: Gemeinsamer Brief zur medizinischen Versorgung in Wittstock/Dosse
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